Oft stehen kulturelle Barrieren zwischen Arzt und Patient. Die neue Institutsambulanz für türkischsprachige Patienten zeigt, wie Hürden überwunden werden können.
Ärztin Emine Günes und Krankenschwester Senay Kaya aus dem Alexianer-Krankenhaus Köln wissen, wovon ihre Patienten sprechen, wenn sie über Leberschmerzen oder "s_k_nt_", ein Druck- oder Spannungsgefühl in der Brustregion, reden. Nicht nur, dass beide die Landessprache der türkischen Patienten verstehen, vielmehr können sie sich als Muttersprachlerinnen auch in die Welt der anderen Kultur hineinversetzen. Und das ist wichtig bei der Behandlung türkischer Migranten.
Dass die Alexianer seit gut drei Monaten eine eigene ambulante Sprechstunde für türkische Patienten in den Räumen der Institutsambulanz anbieten, macht Sinn. Von den rund 2,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken wohnen alleine rund 100.000 in Köln. Köln ist mit seinen 150 verschiedenen Nationalitäten eine multikulturelle Stadt. Jeder vierte Bürger hat einen Migrationshintergrund.
Statistisch betrachtet gibt es einen Bedarf. Doch damit die Patienten das neue Alexianer-Angebot auch annehmen, bedarf es einer guten Aufklärung. "Gerade die Kölner Hausarztpraxen informieren wir über das Angebot, denn hier liegt der Ausländeranteil der Patienten durchschnittlich bei etwa 20 bis 30 Prozent", erklärt Ärztin Günes das Vorgehen. Häufig haben die Patienten eine wahre Krankenkarriere hinter sich: Das Aufsuchen zahlreicher Arztpraxen aufgrund unterschiedlicher Beschwerden, die vordergründig erst einmal als körperliche Schmerzen erlebt werden, ist keine Seltenheit. Spricht also jemand von einem Druckgefühl in der Brustregion, können dahinter Gefühle wie Schwere und Traurigkeit liegen - eine Depression etwa. Ein "gefallener Nabel" kann für das Gefühl stehen, aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Das muss der Behandler natürlich erst einmal wissen.
Erste Adresse für türkischsprachige ambulante Patienten: Ärztin Emine Günes (l.) und Krankenschwester Senay Kaya."Psychische Erkrankungen sind in der türkischen Kultur meistens ein
Tabu", erklärt Senay Kaya. "Deshalb ist der Gang zum Psychologen oder
Psychiater natürlich mit einer Hemmschwelle verbunden." Dass
ausländischen Patienten der Aufenthalt in einer deutschen Klinik oft
einfacher fällt, wenn Fachleute ihre Sprache sprechen, zeigt sich auch
in der alltäglichen Arbeit bei den Alexianern. Immer wieder müssen die
beiden Kolleginnen auch auf den Stationen dolmetschen und gewinnen so
schnell das Vertrauen der Patienten.
Das neue ambulante Angebot
der Alexianer, das auch von den Sozialarbeiterinnen Gaby Lange und
Barbara Otto tatkräftig unterstützt wird, passt zum Leitbild des
Trägers: Es integriert fremde Kulturen - ohne sie gleich machen zu wollen.
Weitere Informationen
Tel. (02203) 3691 11 023
Sprechstunde: montags von 13 bis 17 Uhr